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Briefe von draußen
Die NaturTagebuchWerkstatt umfasst Elemente des Nature Journaling und der Naturgeschichten. Sie kann als Schulklassenprogramm genauso wie als mehrtägiges Ferienprogramm gestaltet werden. Diesem best-practice-Beitrag liegt die Veranstaltung „Gestalte Dein eigenes Buch mit der Natur – Ferientage in der Fröttmaninger Heide“ zu Grunde, die von Dienstag, 31.03.2026 bis Donnerstag, 02.04.2026 jeweils von 9 bis 13 Uhr stattfand und von mir und meiner Kollegin Julia Schmidt konzipiert und durchgeführt wurde.
Gemeinsam erforschen wir die Natur und gehen auf Entdeckungstour – bei jedem Wetter! Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen entdecken faszinierende Tiere und Pflanzen und halten ihre Beobachtungen auf der Wiese, im Wald und im Gewässer mit Zeichnungen, Collagen und selbst erdachten Geschichten in einem Journal fest.
Nebenbei stellen wir uns viele Fragen: Wer hat denn an diesem Blatt geknabbert? Was spüre ich gerade? Wie mag sich der Käfer auf dem Blatt wohl fühlen? Woran erinnert mich das „Ding“ in meiner Hand? Von den Funden und kleinen Naturschätzen lassen wir uns zum Weiterforschen anregen. Wir beobachten, lauschen, lernen und sind gestalterisch am Werk.


Wir starten am ersten Tag mit einer kurzen Einführung ins Thema – Wo kommt Nature Journaling her? Welche Techniken werden verwendet? – und stellen auch den Ablauf unserer gemeinsamen Ferienzeit vor. Jeden Tag werden wir auf Entdeckungstour gehen und die unterschiedlichen Lebensräume der Heide entdecken. Am ersten Tag waren das die Kleingewässer und Tümpel mit Weide und Insektenlarven bzw. einer Wasserspinne. Am zweiten Tag haben wir den Kiefernwald mit den Kiefern und Zapfen genauer in Augenschein genommen, am dritten Tag die offene Heidefläche mit den Veilchen und Mauerbienen. Jeder Lebensraum ist eine eigene Welt!
Bei unseren Steifzügen durch die Heide sind uns immer wieder Kaninchen begegnet, so war das erste Tier zum Eintragen ins Journal schnell gefunden. Mehrere Kaninchen waren auf dem Umweltbildungsgelände unterwegs, die wir beobachten konnten, genauso wie Spuren ihrer Hinterlassenschaften und die Eingänge zu ihren Bauten. Die Kinder haben gemeinsam zu Kaninchen in Büchern recherchiert: Was fressen sie? Wo leben sie? Wie unterscheiden sie sich vom Hasen, was haben beide gemeinsam? Das Kaninchen wurde gezeichnet und mit den jeweils für wichtig erachteten Informationen versehen.


Auch weitere Heidebewohner wie Ameisen, Lerche und die Wechselkröte wurden gejournalt. Ebenso die Pflanzen der Heide wie Birke und Kiefer. Von unseren Streifzügen haben wir gesammelte Fundstücke mitgebracht und ein kleines „Heidemuseum“ daraus gemacht. Auch diese Naturmaterialien, ein Kiefernzapfen, ein Ast mit gelben Flechten, ein Kiefernzweig, rötliche Rindenstücke, Weidenkätzchen und vieles mehr konnte gezeichnet werden. Auch mit Naturtinte hergestellt aus Liguster wurde experimentiert.
Zu Geschichten inspiriert wurden die Kinder auch von den Naturschätzen, die wir in der Heide gefunden haben. Jedes Tier, jede Pflanze, jeder Gegenstand hat Fragen aufgeworfen, für die Antworten gesucht wurden, die zu neuen Fragen, Verbindungen und Beziehungen im Ökosystem Heide geführt haben. Zum Beispiel die Ameisen mit den Läusen auf den Weiden, ein vom Sturm umgeworfener Baum, den Eingang einer Höhle zwischen den Wurzeln einer Weide, wahrscheinlich zu einem Kaninchenbau. Immer haben wir detektivisch überlegt, mit was wir es zu tun haben und wie es entstanden sein könnte.


Aus diesen Fragen heraus kamen die Kinder dazu, sich Geschichten auszudenken, die mit den der Heide zu tun haben. Neben den Sachfragen, die wir uns auch mit Hilfe von Bestimmungsmaterial und Büchern zur Heide beantwortet haben und den Detektivgeschichten zu Vorgängen in der Heide und Abläufen im Jahreszyklus entstanden auch freie Geschichten, in denen die Kinder mit viel Fantasie weitergesponnen haben, was sie beobachtet oder vorgefunden haben.
Um einen Zugang zum Schreiben zu bekommen, haben wir den grundlegenden Drei-Akt-Geschichtenaufbau nachvollzogen, der uns vertraut ist. Und wir haben spielerisch zusammengestellt, welche Elemente aus der Heide wir verwenden wollen. Dazu haben wir ein Geschichten-Erfinder Schnipp-Schnapp mit unseren Orten (Setting), Lebewesen (Figuren) und Ereignissen der Heide (Handlung) ausgefüllt. Jedes Kind hat für sich ein einzelnes Geschichten-Schnipp-Schnapp gemacht und wir haben gemeinsam ein großes gefaltet und natürlich bespielt!


Über die drei Tage hinweg haben wir verschiedene Elemente verwendet: Wir waren draußen aktiv und in Bewegung, z.B mit einem Laufspiel und Tiere-Raten, dem „Heidesalat“. Es gab auch Zeit für Freispiel und die Möglichkeit, selbst um das HeideHaus herum auf Beobachtungstour zu gehen oder zu zeichnen. Wir haben beobachtet, erforscht und sind Fragen nachgegangen, wir haben unsere Fantasie spielen lassen und Geschichten erfunden. Die Kinder waren sehr begeistert von den Ferientagen, sie sind jeden Tag gerne wiedergekommen, zum Teil auch früher, um weiter an ihren Heften zu arbeiten.
Durch die Verknüpfung von Nature Journaling, bei dem die Kinder ihrem Bedürfnis nach Fakten und Wissen nachkommen konnten, mit den Naturgeschichten, bei denen auch das Fantastische und Abstruse im Vordergrund stehen durfte, sind sehr individuelle Naturbücher entstanden.
Diese drei Tage waren ein erster Anstoß und haben neugierig gemacht, sich weiter mit der Natur zu beschäftigen. Einige Kinder haben sich vorgenommen, ihr Buch fortzusetzten und es auch in den Urlaub mitzunehmen. Durch das Zeichnen und Schreiben haben die Kinder einen neuen Zugang zur Natur erhalten und können ihren Interessen entsprechend weiter forschen, schreiben und zeichnen. Die Geschichte(n) wurden am Ende des Workshops auf freiwilliger Basis vorgestellt, die Bücher mit in die Klasse genommen und weiter bearbeitet.

Ziel der Schreibwerkstatt „NaturTagebuch“ ist, den Teilnehmenden Freude am Beobachten, Begeisterung für die Natur und das Erfinden von Geschichten mitzugeben. Sie können eigene Erfahrungen machen und neues Wissen zu spezifischen Natur- und Umweltthemen aufnehmen. Gefördert werden genaues Beobachten, Fragen stellen, Empathie, Fantasie, Selbstwirksamkeit und Schriftsprachkompetenz.

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© Bilder und Text: Julia Schmidt, Dr. Simone Gerhardt




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