Briefe von draußen

Naturgeschichten (er)finden

Inhalt

Am 28. und 30. Mai 2026 fanden zwei Schulklassenprogramme und ein Familiennachmittag zum Thema „Fantastische Naturgeschichten – Future Stories“ in der Bibliothek Gramastetten statt. Es wurde nicht nur geschrieben, gemalt und gebastelt, sondern vor allem die Natur erkundet und als Inspiration für eigene Geschichten entdeckt.

Viel mehr als Schreibworkshops

Die Schüler und Schülerinnen der 3. Klasse und die Familien haben sich ausgehend von ihrer eigenen Naturerfahrung Geschichten ausgedacht, um sie zu erzählen, zu gestalten und aufzuschreiben. Dabei entstanden kleine Bücher mit allen wichtigen Merkmalen: Cover, Klappentext und Rückseitengestaltung, aber auch Informationen zum Thema, eine Übersichtskarte und natürlich dem Wichtigsten: einer Geschichte. Die Teilnehmenden des Familienworkshops haben Plakate gestaltet.

Inhalte von Geschichten draußen finden

Um die Inhalte der Geschichte(n) zu finden, wurde zu Beginn der Lebensraum Wiese, Wald und Bach erkundet und Informationen über eine Tierart – die Waldmaus - ergänzt. Die Besonderheiten des Lebensraums wurden auf einer Landkarte festgehalten. Vor Ort machten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen individuelle Naturerfahrungen und gewannen ihren eigenen Eindruck. Über ihre Erlebnisse tauschten sie sich gemeinsam aus und betrachteten sie aus Menschensicht und auch aus Sicht der Waldmaus. Zum Beispiel: Wir Menschen schätzen die offene Wiese, weil wir so viel wahrnehmen und auch die Sonne genießen können. Die Waldmaus allerdings wird die offene Fläche eher meiden und Schutz suchen, damit sie nicht vom Bussard entdeckt und gefangen wird.


Unmittelbare Beobachtung

Damit aus den unmittelbaren Beobachtungen und dem gesammelten Wissen eine Geschichte wird, mussten die AutorInnen überlegen, was passiert, wenn sich am „alltäglichen Leben“ der Waldmaus etwas ändert. Dieses „Ereignis“ kann positiv sein (die Waldmaus feiert eine Geburtstagsparty und lädt andere Tiere ein) oder negativ (der Wald wird gerodet), es kann fantastisch sein oder real. Der wissenschaftliche Hintergrund wird erweitert um die Vorstellungswelt der Schüler und Schülerinnen. Es kommen Empathie und Fantasie ins Spiel, um eine Lösung zu finden.

Empathie und Fantasie

In jedem Fall stellten sich folgende Fragen: Wie sieht ein intakter Lebensraum aus, damit die Waldmaus gut weiterleben kann bzw. alle tierischen „Geburtstagsgäste“ einen passenden Platz und genügend Nahrung finden? Was könnten „fantastische“ Waldmäuse tun, um ihren Lebensraum zu erhalten und zu gestalten? Was könnten die Schüler und Schülerinnen tun, um die Tiere dabei zu unterstützen? Wie lässt sich eine Veränderung gestalten? Wie geht es danach weiter?

Gemeinsam wurde dann überlegt: Welche Lösungen für die Herausforderungen, die das Ereignis mit sich bringt, gibt es schon? Welche lassen sich tatsächlich in Wirklichkeit umsetzen, welche sind fantastisch? Gibt es ganz neue Herangehensweisen?


Zwei Stunden sind ausreichend, um ein „Geschichtengerüst“, ein Storyboard zu entwerfen, aber natürlich nicht, um eine Geschichte in Wort und Bild endgültig auszugestalten. Daher kommt es auch nicht auf Schönheit oder Vollständigkeit der Gestaltung an, sondern darauf, dass die Schüler und Schülerinnen vielfältige Lösungen überlegen. Diese werden nicht bewertet oder eingeordnet (machbar, unmöglich etc.), sondern sollen einen Raum öffnen, Herausforderungen unvoreingenommen zu begegnen.

Ziele der Naturgeschichten-Workshops

Die Geschichte(n) wurden am Ende des Workshops auf freiwilliger Basis vorgestellt, die Bücher mit in die Klasse genommen und weiter bearbeitet.

Ziel des Naturgeschichten-Workshops ist, den Teilnehmenden Freude am Beobachten, Begeisterung für die Natur und das Erfinden von Geschichten mitzugeben. Sie können eigene Erfahrungen machen und neues Wissen zu spezifischen Natur- und Umweltthemen aufnehmen. Gefördert werden Empathie, Fantasie, Selbstwirksamkeit und Schriftsprachkompetenz. Die Teilnehmenden erweitern ihre Vorstellungskraft und Handlungsmöglichkeiten auf Basis des Futures-Literacy-Ansatzes der BNE als Teil der 17 Nachhaltigkeitsziele, um zukunftsfähig, vernetzt und verantwortungsvoll zu denken und zu handeln.

© alle Abbildungen Dr. Simone Gerhardt

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